Zwischen bequemer Illusion und aufgeklärtem Frust
- Florian Kliman
- vor 20 Stunden
- 2 Min. Lesezeit
Wir leben in einer Zeit des paradoxen Stillstands. Wir wissen oft besser denn je, was in der Welt und mit unserem Planeten vor sich geht, und doch verharren wir in Ohnmacht. Warum? Weil wir in die Falle des Zynismus getappt sind. Zynismus ist dabei nicht mit bloßer Inkonsequenz zu verwechseln. Inkonsequenz ist das ehrliche, oft von schlechtem Gewissen begleitete Eingeständnis unserer menschlichen Schwäche – etwa, wenn wir aus Bequemlichkeit den „Umstieg“ meiden. Zynismus hingegen ist gefährlicher: Es ist die aktive Entscheidung, wider besseres Wissen weiterzumachen, als ob nichts wäre, und sich lieber komfortabel mit einer Lüge einzurichten.
In der Vorbereitung auf unseren kommenden Salon Digital möchte ich den Finger in genau diese Wunde legen. Dieser Zynismus blockiert uns heute nämlich von zwei Seiten:
1. Die Krise des religiösen Zynismus Wir erleben ihn dort, wo Institutionen versuchen, den Anspruch einer unangreifbaren Autorität (einer „Religion von oben“) aufrechtzuerhalten. Obwohl die wissenschaftliche Forschung längst „überwältigendes Beweismaterial für die menschliche Autorenschaft der Bibel“ erbracht hat, wird diese Wahrheit oft im Kleingedruckten versteckt. Die fatale Konsequenz dieser Verschleierung: Die großen Fundamente der Kirche – wie die „Alleinseligmachung, Sünde & Erlösung“ – müssten plötzlich als menschliche Konzepte diskutiert werden, die somit auch Irrtümer sein könnten. Aus Angst vor diesem Kontrollverlust bleibt man lieber bei der bequemen Illusion.
2. Die Krise des aufgeklärten Zynismus Doch auch die säkulare Welt steckt in der Krise. Der freie Zugang zu Wissen hat die Welt nicht automatisch zum Guten gewendet. Zwar sind die tatsächlichen historischen Verbesserungen immens, doch die Erwartung eines „Himmels auf Erden“ erwies sich als falsches Versprechen. Wir hinken unseren wahren Möglichkeiten so weit hinterher, dass die unerfüllte Erwartungshaltung in tiefen Frust umschlägt.
Der Scheideweg: Fünf nach Zwölf Aus diesem Frust heraus stehen wir an einer historischen Gabelung. Wie reagieren wir auf die unperfekte Realität?
Die zynische Versuchung flüstert uns ein, alten autoritären Mustern zu verfallen: Sollen wir jenen „genialen Führern“ glauben, denen man unhinterfragt folgen kann, und so wieder Anleihe beim religiösen Zynismus nehmen? Oder nehmen wir das schwierige Eingeständnis unseres eigenen Irrtums an – nicht als Makel, sondern als „unersetzlichen Schritt zur Erkenntnisgewinnung“? Sind wir bereit, Sinnstiftung genau in dem zu finden, „was noch nicht funktioniert“, und uns der beharrlichen Verbesserung einer unperfekten, niemals fertigen Gesellschaft zu widmen?
Einladung zum Salon Digital Der Ausstieg aus dem Zynismus verlangt keinen neuen Heldenmut und keinen „Geniestreich über Nacht“. Er verlangt lediglich, dass wir die Komfortzone verlassen. Sich mit dem System zu arrangieren und bloß „damit durchkommen zu können“, sind „zu kleine Hoffnungen“. Wenn wir hingegen lernen, „über die Fehler zu besserem Verständnis vorzustoßen“, wachsen daraus „größere Hoffnungen“.
Ich lade Sie ein: Diskutieren Sie mit uns morgen, Dienstag ab 19.00 Uhr im Salon Digital, wie wir unsere Verantwortung annehmen und der bequemen Ohnmacht entkommen können.
Auch diesen Blog müssen Sie nich widerspruchslos über sich ergehen lassen. Ich freue mich natürlich, wenn Gedanken dabei waren, die Sie erhellend fanden. Aber auch dine g'sunder Widerspruch hat immer Platz und ich werden gerne darauf antworten. Gleich hier unten können Sie Ihren Kommentar eingeben. So können wir auch schriftlich "ins Gespräch kommen". Das Bekenntnios dazu steht nicht nur auf dem Rücken meines Buches. Es ist das Programm für mein Altersehrenamt, das ich mit dieser Plattform angetreten habe.




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