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Die Last des Rechtbehaltens und der Wiener Salon

Irren ist menschlich – Korrigieren ist demokratisch: Ein Gedankengang mit Karl Popper


Oft habe ich mir in den letzten Monaten gewünscht, wir könnten uns einfach in der vertrauten Atmosphäre des Café Schopenhauer zusammensetzen oder in der Buchhandlung Analog zwischen den Regalen philosophieren. Es ist dieser besondere Wiener „Plauderton“, den ich so schätze – intellektuell fordernd, aber immer nahbar. Doch wie Sie vielleicht aus meinen Bemühungen um die „Lange Nacht der Philosophie“ wissen, führen uns verschlossene Türen oder organisatorische Hürden manchmal auf neue Pfade. So entstand die Idee für den „Salon Digital“.

In meinem Wiener Arbeitszimmer brüte ich oft über der Frage, warum es uns so schwerfällt, einen Irrtum zuzugeben. Sei es in einer hitzigen Diskussion unter Freunden oder beim Feilen an einem Manuskript: Wir klammern uns an „fesselnde Erzählungen“, weil sie uns eine trügerische Sicherheit vorgaukeln. Wir verharren im „Gehorsam“ gegenüber alten Mustern, nur um das eigene Gedankengebäude nicht wanken zu sehen. Dabei ist es ein zutiefst befreiendes Gefühl, diese Ausrede abzulegen. Einen Fehler zu korrigieren bedeutet nicht, gescheitert zu sein – es ist der mutige Schritt hin zu dem, was uns in Zukunft wirklich tragen kann.


Fehler als Treibstoff: Von Popper zu Spinoza

Hier schlägt Karl Popper eine Brücke, die für unsere heutige Zeit entscheidender nicht sein könnte. Popper begriff die Demokratie nicht bloß als eine bloße Herrschaftsform, sondern als die einzige institutionelle Methode, um Irrtümer – seien es falsche politische Entscheidungen oder schlechte Herrscher – unblutig wieder loszuwerden.


Diese „Fehlerkorrektur“ ist jedoch nur möglich, wenn wir uns auf das Fundament besinnen, das Baruch de Spinoza bereits 1670 in seinem Tractatus theologico-politicus legte: Die Freiheit des Denkens und Urteilens darf nicht aufgehoben werden, ohne zugleich den Frieden im Staat zu zerstören. Während autokratische Strukturen und religiöse Dogmen auf einer „geborgten Autorität“ und unfehlbaren Wahrheiten beharren, lebt unsere Freiheit vom Mut zum Korrektiv.

Wenn wir erkennen, dass das vermeintliche „Wort Gottes“ in Wahrheit immer schon Menschenwort war, fällt die letzte Ausrede für Unfehlbarkeit weg. Was Menschenwort ist, darf – ja muss – demokratisch und wissenschaftlich korrigiert werden können.


Eine lebendige Fehlerkultur bietet klare Vorzüge gegenüber starren Dogmen:

  • Gewaltfreiheit statt Umsturz: Wir korrigieren Fehlentscheidungen durch Argumente und Wahlen, nicht durch Gewalt.

  • Lernfähigkeit durch Evolution: Wir bleiben offen für neue Erkenntnisse. Wie ich oft betone: Die Evolution ist das zentrale Werk Gottes – ein ständiger Prozess der Wandlung, kein statisches Bild des Alten Testaments.

  • Selbstbestimmung statt Gehorsam: Der Einzelne tritt aus der „Sklaverei des Gehorsams“ heraus und nutzt sein freies Urteil.

  • Frieden durch Pluralität: Wo Worte frei sind und nur Handlungen bestraft werden, finden wir zu einer „Einheit in der Vielfalt“.


Die „zu kleine Hoffnung“ und unsere Verantwortung

Warum wehren wir uns so oft gegen diesen Korrekturprozess? Ich beobachte hier oft eine „zu kleine Hoffnung“. Man flüchtet sich in eine idealisierte Vergangenheit und hofft, dass alte Muster uns vor den Zumutungen einer neuen, multikulturellen Welt oder der notwendigen Nachhaltigkeit bewahren könnten. Doch diese Rückkehr zu alten Verhältnissen ist eine Illusion, eine Realitätsverweigerung angesichts der drängenden Fragen unserer Zeit.


Einladung zum gemeinsamen Nachdenken: Der Salon Digital

Philosophie braucht den geschützten Raum, den Austausch ohne Feindbilder. Da uns physische Cafés manchmal verwehrt bleiben, öffnen wir die Türen ins Digitale. Ich lade Sie herzlich ein, Teil einer Gemeinschaft zu werden, die genau diesen Diskurs über Demokratie, Aufklärung und Spiritualität pflegt.





Diesmal geht es um die Grundidee des Salons und um die zu erwartenden Themen. Dies ist unser Ort für die „letzten Fragen“. Zur Einstimmung und Vorbereitung lade ich Sie ein, an dieser Stelle meine wöchentlichen Blogs zu lsen und sich auf der Plattform umzusehen. Lassen Sie uns gemeinsam über das nachdenken, was „nach Zwölf“ wirklich zählt.


Abschied und Ausblick: Zeit für größere Hoffnungen

Ich freue mich darauf, mit Ihnen ins Gespräch zu kommen – „elektrisiert“ vom intellektuellen Austausch, wie ich es gerne nenne. Als tieferes Fundament für unsere Diskussionen dient mein aktuelles Buch: 'Fünf nach Zwölf – Zeit für größere Hoffnungen' Wenn Sie diesen Link anwählen können Sie sogar eine 25-minütige Audio-Zusammenfassung anhören.


Lassen Sie uns die Freiheit nutzen, solange wir sie haben. Fangen wir damit an, unsere Irrtümer nicht zu verstecken, sondern sie als Chance für ein neues Gottes- und Weltverständnis zu begreifen.


Herzlichst, Ihr Florian Kliman


Persönlicher Kontakt und Austausch: reden@themen12.at

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