Erkundung #1 14.10.2026
Aktualisiert: vor 2 Stunden

Den schon freudig erwarteten Start in die Erkundungen bildete die gelungene Veranstaltung im Festsaal des Wiener Rathauses. Sowohl bekannte als auch mir noch nicht bekannte, durchwegs aber sehr kompetente Podiumsgäste konnten einem bis zum Überdruss präsenten Thema interessante Aspekte abgewinnen..
DOKUMENTATION DER VERANSTALTUNG
Wiener Vorlesungen werden von der Bibliothek im Rathaus organisatorisch betreut. Diese zeichnet für die gesamte Technik und Administration verantwortlich. Besonders hervorzuheben ist, dass die Inhalte dank ausgezeichneter Tontechnik und riesigem Bildschirm auf allen Plätzen überdurch-schnittlich gut mitverfolgt werden konnten
Im aktuell gehaltenen Archiv wird ein Überblick über die Podiumsteilnehmer und Grußadressen auch nach der Veranstaltung bereitgehalten: LINK ZUR ÜBERSICHTSEITE
Überdies wurde die gesamte Veranstaltung im Livestream übertragen und ist auch im Archiv weiterhin vollständig(!) nachverfolgbar. LINK ZUR VIDEOAUFZEICHNUNG
Auch die offiziellen Fotos bleiben weiterhin verfügbar. LINK ZUM FOTOARCHIV
Hier finden Sie meine persönlichen Fotos. LINK ZU PERSÖNLICHEN FOTOS
Es ist der rote Faden durch alle die folgenden Erkundungen, mich inmitten viele denkbarer Ansätze auf die Korrekturfähigkeit der Demokratie zu fokussieren. Auf Grund der hervorragenden Ausgangsmaterialien ist möglich, Ihnen hier eine Liste der Äußererungen zu diesem Themenschwerpunkt
Eine Anmerkung: Dieser Bericht versteht sich nicht als neutrales Sitzungsprotokoll, sondern als gezielter Erkundungs-Blick durch die Brille meines Buches „FÜNF NACH ZWÖLF“. Ich konzentriere mich darin ohne Umschweife auf jene Impulse, die die Korrekturfähigkeit unserer Demokratie und die Mündigkeit des Bürgers betreffen. Wer das unverkürzte Gesamtbild der Veranstaltung sucht, findet das vollständige Video obenstehend verlinkt. Auf dieses vollständige Youtube-Video beziehen sich auch die angeführten Zeitstempel.
Notizen zur Erkundung #1 DEMOKRATIE STÄRKEN
Begrüßung: Dr. Michael Ludwig (Bürgermeister) & Dr. Anita Eichinger (Direktorin Wienbibliothek)
Moderation: Dr. Harald Katzmair (Sozialwissenschaftler, FAS Research)
Podium:
Dr. Franz Vranitzky (Bundeskanzler a.D., Ehrenpräsident Bruno Kreisky Forum)
Sarah Salihovic (Schülerin, ehem. Landesschulsprecherin BSB Wien)
Hans Rauscher (Kolumnist Der Standard)
Univ.-Prof. Dr. Karin Moser (Kultur- und Medienhistorikerin)
Univ.-Prof. Dr. Fabio Wolkenstein (Politikwissenschaftler, Universität Wien)
1. Der Einstieg: Der Befund der Vertrauenskrise & Göteborg-Studie
Zeitstempel: 00:02:15 bis 00:08:45
Sprecher: Bürgermeister Dr. Michael Ludwig
Inhalt & Schnittstelle zu Fünf nach Zwölf :
Ludwig zitiert die erschütternde Studie des Göteborg-Demokratieinstituts: Nur noch 7 % der Weltbevölkerung leben in liberalen Demokratien !
Er beschreibt das Phänomen der schleichenden Entfremdung: „Menschen erleben demokratische Prozesse als woanders stattfindend (...) und verlieren das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Sie empfinden Machtlosigkeit und Ohnmacht.“
Brücke zu Themen nach Zwölf: Das ist exakt Ihre Diagnose der „bequemen Ohnmacht“ und des verblassenden Vorschussvertrauens.
2. Was bedeutet Demokratie persönlich? (Das Versagen des „Schönen Dieners“)
Zeitstempel: 00:15:30 bis 00:24:10
Sprecher: Hans Rauscher, Sarah Salihovic , Fabio Wolkenstein
Inhalt & Schnittstelle zu Fünf nach Zwölf :
Hans Rauscher (00:18:20): „Für mich bedeutet Demokratie, dass ich keinen ‚schönen Diener‘ mehr machen muss.“ Er schildert den Übergang von der autoritären Nachkriegsgesellschaft zur offenen Gesellschaft.
Sarah Salihovic (00:16:45): Weist eindringlich darauf hin, dass Demokratie nicht beim Urnengang endet, sondern beim Mitspracherecht im Alltag. Sie verweist auf die 1,88 Millionen Einwohner in Österreich ohne Wahlrecht.
Fabio Wolkenstein (00:22:15): Liefert zwei Definitionen:
Przeworski-Definition: Demokratie ist ein System, in dem Parteien Wahlen verlieren und das akzeptieren. (Gegenmodell zur Autokratie).
Kelsen-Definition: Demokratie ist die Methode, Entscheidungen kollektiv im Kompromiss zu finden – sie hält nur, wenn es demokratische Persönlichkeiten gibt.
3. Der Absturz der Vertrauenskurve (Die Daten von Foresight / SORA)
Zeitstempel: 00:25:00 bis 00:34:30
Sprecher: Dr. Harald Katzmair, Dr. Franz Vranitzky
Inhalt & Schnittstelle zu Fünf nach Zwölf :
Harald Katzmair (00:25:10): Präsentiert die dramatische Schere der Foresight-Daten: 89 % bejahen die Demokratie als Idee, aber die Zufriedenheit mit dem Funktionieren im Alltag ist seit 2018 dramatisch abgestürzt. Im unteren Einkommensdrittel glauben nur noch 19 % an das Funktionieren des Systems. Katzmair stellt die steile Frage: „Ist Demokratie zu einem Luxusgut für Wohlhabende geworden?“
Franz Vranitzky (00:27:40): Reagiert präzise: Demokratie sei kein automatisches Wohlstandsprogramm, sondern der Rechtsrahmen. Die Wut der Kassiererin in Favoriten entstehe durch asoziale Lohn- und Einkommenspolitik. Die Demokratie stellt aber mit Gewerkschaften und Parlamenten die einzigen Werkzeuge bereit, um diesen Schmerz unblutig zu korrigieren. Autoritäre Scharfmacher haben für diesen Menschen keine ehrliche Lösung.
4. Die Korrekturfähigkeit & Die Medien-Algorithmen
Zeitstempel: 00:35:00 bis 00:48:20
Sprecher: Hans Rauscher, Sarah Lahiouich, Prof. Karin Moser
Inhalt & Schnittstelle zu Fünf nach Zwölf :
Hans Rauscher (00:36:10): Greift die Tech-Oligarchen (Elon Musk, Peter Thiel / Palantir) an. „Wir sind im Bann von ein paar Superreichen, die das Netz als unkontrollierte Plattformen nutzen. Die EU muss diese Monopole zerschlagen.“
Sarah Salihovic (00:39:30): Beschreibt die Verfehlung der Schule: 26 % der Jugendlichen sind laut Ö3-Studie völlig politikverdrossen. Social-Media-Algorithmen erzeugen das „Main Character Syndrome“: Wer nicht meiner Meinung ist, wird als Feind aus dem Leben gelöscht.
Karin Moser (00:43:15): Analysiert die psychologische Radikalisierung: Algorithmen halten Nutzer durch Wut und Zorn auf der Plattform, um Profit zu machen. Folge: 20 % der 13- bis 17-Jährigen sind laut WHO-Studie chronisch einsam.
5. Die Kernstelle: Selbstkorrektur der Demokratie vs. Autokratie
Zeitstempel: 00:49:00 bis 01:05:00 (und im Schlussakkord)
Sprecher: Prof. Fabio Wolkenstein, Dr. Franz Vranitzky, Harald Katzmair
Inhalt & Schnittstelle zu Fünf nach Zwölf :
Fabio Wolkenstein (00:51:20): Wolkenstein betont, dass autokratische Systeme den Schein fehlerfreier Perfektion simulieren müssen. Die Demokratie hingegen gewinnt ihre Würde daraus, dass sie ein offenes System der fortlaufenden Fehlerkorrektur im laufenden Betrieb ist. Wenn Parteien und Institutionen Kritik nicht mehr als Lernimpuls begreifen, verfällt die Selbstkorrektur.
Harald Katzmair (00:58:10): Fasst zusammen: Das Gegenmittel zur Brunnenvergiftung ist nicht die Flucht in Erlöser-Figuren, sondern die Einübung von Mündigkeit und Selbstwirksamkeit in konkreten Räumen (Bürgerräte, Schul-Parlamente, Arbeitswelt).
Ich stehe nicht an, dem Veranstaltungsteam für die kostenlose und freie Bereitstellung des Archivmaterials zu danken. Nur dadurch war es möglich, diese Schwerpunkt-Notizen in der obigen Form anzubieten
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