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Erkundung #3 vom 21.10.2026

vor 3 Stunden
2 Min. Lesezeit

Notizen

zur Veranstaltungsreihe WISSEN MACHT DEMOKRATIE der Demokratiewoche 19.-26.10. 2026

Museumsquartier Raum D, Museumsplatz 1, 1070 Wien


Demokratie und Religion

Univ. Prof. MMag. Dr. Regina Polak, MAS

Institut für Praktische Theologie und Interreligiösen Dialog

Katholisch-Theologische Fakultät der Universität Wien Im Forschungsschwerpunkt „Interdisziplinäre Werteforschung“ befasst sie sich auch mit Religion und Religionsgemeinschaften in der Demokratie.

Beim dritten Stopp meiner »Erkundungen« stand das Spannungsverhältnis zwischen säkularisierter Republik und religiöser Tradition im Zentrum. Univ.-Prof. Regina Polak wagte anhand geraffter Daten aus internationalen und österreichischen Studien einen unbequemen Blick auf Realitäten, die oberflächlichen Wahrnehmungen teils diametral widersprechen, meist aber schlicht zu pauschal ausfallen.

Wie zu erwarten, erteilte Polak jeder parteipolitischen oder fundamentalistischen Vereinnahmung religiöser Symbole eine Absage: Wo christliche Begriffe genutzt werden, um Ausgrenzung zu rechtfertigen, wird der Kern universaler Menschlichkeit ins Gegenteil verkehrt.

Dennoch bleibt Ernst-Wolfgang Böckenfördes verfassungsrechtliche Erkenntnis aktuell, dass der freiheitliche Staat von moralischen Voraussetzungen zehrt, die er selbst nicht garantieren kann. Das oft vage empfundene „Das, was fehlt“ von Jürgen Habermas darf man hier als treffende Beschreibung dafür verstehen, wo Religion am Rande empirisch-wissenschaftlicher Untersuchungen verortet ist.

Was den Vortrag von Regina Polak besonders auszeichnete, war ihre kompromisslose intellektuelle Redlichkeit: Anstatt die ernüchternden Zahlen der Religionssoziologie – etwa den dramatischen Rückgang des Glaubens an eine göttliche Offenbarung – theologisch schönzureden, stellt sie sich diesen Tatsachen ohne Ausflüchte.

Das im Verlauf des Abends mehrfach gehörte Eingeständnis, dass selbst gewissenhaft erhobene Daten ihre Grenzen haben, ist mehr als eine Geste. Aber ist das bereits eine Einladung, sich mit dieser offenen Flanke tiefer zu beschäftigen? Jene theologisch reizvolle Zweigleisigkeit zwischen dem performativen Mysterium des Altars und der kritischen Bibelexegese aus der Ära Ratzinger müsste ebenso zur Disposition stehen wie andere alte Zöpfe. Wie schwer diese Herausforderung wiegt, zeigt der schwere Stand, den die Errungenschaften des 2. Vatikanischen Konzils – allen voran das klare Bekenntnis zum säkularen Staat – heute wieder haben. Ob solche Fragen im Rahmen des synodalen Weges ernsthaft auf den Tisch kommen, wird sich zeigen. Regina Polaks Vermessungen der Realität könnten dafür ein wichtiges Signal sein.

Fazit: Aufgrund ihrer gegenwärtig sehr vagen Selbstverortung drängt sich die Kirche als Institution nicht unbedingt als Motor für die Korrekturfähigkeit unserer Demokratie auf. Das Nachlassen der dogmatischen Bindung (etwa im Offenbarungsverständnis) eröffnet dem Einzelnen jedoch neue Spielräume, die eigene gesellschaftliche Verantwortung ganz persönlich wahrzunehmen.


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