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Die Brunnenvergiftung des 21. Jahrhunderts

Aktualisiert: 11. März




Es ist einer der berühmtesten und gleichzeitig zerbrechlichsten Sätze der politischen Philosophie: „Der freiheitliche, säkularisierte Staat lebt von Voraussetzungen, die er selbst nicht garantieren kann.“ Als der deutsche Rechtsphilosoph Ernst-Wolfgang Böckenförde dieses Diktum 1964 formulierte, befanden sich die jungen Demokratien mitten im wirtschaftlichen Aufschwung. Damals schien das Wagnis Demokratie durch den gemeinsamen Wiederaufbau und ein stillschweigendes Grundvertrauen der Bürger abgesichert.

Heute, über 60 Jahre später, spüren wir die Brisanz dieses Satzes mehr denn je. Was passiert, wenn dieses ungeschriebene Vorschussvertrauen – die moralische Substanz der Gesellschaft – wegbricht?

Wir erleben derzeit, wie dieses lebenswichtige Vertrauen nicht nur bröckelt, sondern aktiv verseucht wird. Desinformation, Zynismus und die pauschale Verächtlichmachung von Wissenschaft und politischem System sind die Brunnenvergiftung des 21. Jahrhunderts. Die amerikanische Historikerin Anne Applebaum legt in ihrem Buch Die Achse der Autokraten schonungslos offen, dass dieser Frust oft nicht nur hausgemacht ist. Autokratische Regime und ihre Troll-Armeen in den sozialen Netzwerken instrumentalisieren gezielt die Angst und die Überforderung der Bürger, um den demokratischen Konsens von innen heraus zu sprengen.

Die perfide Logik dahinter: Wer die Demokratie zerstören will, muss keine eigenen Erfolge vorweisen. Es reicht völlig, den Zweifel am System zu säen und das Vertrauen zu vergiften. Vertrauen systematisch zu zerstören, geht eindeutig schneller, als es mühsam demokratisch aufzubauen – denn das würde auch das Vertrauen zum Andersdenkenden einschließen.

Doch Resignation ist die falsche Antwort auf diese Brunnenvergiftung. Die Demokratie ist kein gottgegebener Zustand der Erlösung, sondern ein offener Werkraum, der uns alle fordert. Das Gegenmittel zur Desinformation ist Zivilcourage und der Mut, sich seines eigenen Verstandes zu bedienen.

Lassen Sie uns diesen Werkraum gemeinsam betreten. Kommen wir ins Gespräch! Ich lade Sie herzlich ein zu unserem runderneuerten Salon Digital am 31. März. Frei nach dem STS-Motto: „Z'erst überleg'n, a Meinung håb'n... niemåls Gewalt, ålles bered'n.“

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