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Ziemlich Mutig - nachher



Wegducken – nicht einmal die zweitbeste Lösung


Die intensiven Debatten um das Pro und Kontra eines Auftritts von Peter Thiel fanden unter kuriosen Vorzeichen statt. Noch bevor über die inhaltlichen Positionen einer solchen Konfrontation hätte gestritten werden können, kam es zur Absage. Allerdings wirft bereits der Streit über die Sinnhaftigkeit einer solchen Einladung aufschlussreiche Blitzlichter auf die politische Verfasstheit unseres Landes.


Vor einer Woche habe ich an dieser Stelle die Ereignisse um die Festwochen-Absage mit „Siegfried“ Milo Rau und dem „Drachen“ Peter Thiel verglichen. Zu meiner großen Freude findet sich diese Siegfried-Metapher just im Leitartikel der Furche wieder. Der als Diskussionspartner vorgesehene Theologe Wolfgang Palaver wiederum machte sich öffentlich Gedanken, ob er da als Siegfried gegen den Drachen losgeschickt werde. Viel Grundsätzliches lag da offensichtlich auch in den Köpfen anderer Menschen in der Luft.


Nun denn, weiter als mit der Freischaltung der Erstversion dieses Blogbeitrags am Sonntag, dem 7. Juni um 20:00 Uhr – exakt dem vorgesehenen Veranstaltungsbeginn – will ich meine Andenkenpflege nicht treiben. Ich werte die Ereignisse aber als hochrangige Bestätigung für die Notwendigkeit, sich als Bürger wieder verbindlicher mit der Gestaltung unseres Zusammenlebens und der Conditio Humana des 21. Jahrhunderts in unserem Wohlstandseuropa zu beschäftigen.


Gegenüber dieser emporgekommenen globalen Machtkonzentration wird ein simples Wegducken auf Dauer nicht reichen. Allzu gerne neigen wir dazu, auf ideologische Provokationen und die gezielte Brunnenvergiftung aus dem Silicon Valley nur defensiv zu reagieren. Wir empören uns über den neuesten bizarren Tweet, wir beklagen ihn aufrichtig und ziehen uns dann wieder in das zurück, was Peter Sloterdijk so treffend die „bequeme Ohnmacht“ nennt. Doch dieses ständige defensive Reagieren ist bereits mehr als ein zwar ärgerliches, aber allzu verständliches Versäumnis. Es hat sich längst zu einem fatalen Fehler ausgewachsen. Noch ist es möglich, diese Spirale zu durchbrechen – demokratiepolitisch ist es aber auch zwingend notwendig. Wir dürfen das Spielfeld nicht sehenden Auges denen überlassen, die den Untergang der liberalen Weltordnung herbeisehnen.


Uns steht ein beträchtliches Instrumentarium zur Verfügung: Der Zugang zum Wissen dieser Welt ist so frei geworden, dass er uns allzu oft sogar lästig und überfordernd erscheint. Die Religionsfreiheit hat uns in die Lage gebracht, unserem legitimen Interesse am Sinn und Ursprung unserer Existenz angstfrei in der Form nachzugehen, die unserer Natur am besten entspricht. Wir mussten aber auch lernen, dass so viel Auswahl anstrengend ist. Es gibt bei Weitem nicht nur High-Tech-Gurus, die bereit sind, uns diese Qual der Wahl abzunehmen. Auch viele andere autokratische Angebote wollen uns vereinfachte Lösungen schmackhaft machen. In meinem Buch „FÜNF NACH ZWÖLF – Zeit für größere Hoffnungen“ habe ich sie gerade wegen ihres unverzichtbaren Anspruchs auf „Größe“ (MAGA etc.) als „zu kleine Hoffnungen“ einem prestigemäßigen Downgrade unterworfen.


Das erforderliche Wissen und auch die schmerzlichen Erfahrungen der Geschichte sind vorhanden. Alternativ zu einem Paradies für wenige Genies – das natürlich erst nach dem Abschütteln der angeblich so „lähmenden“ Demokratie zu haben wäre – stehen uns durchaus andere Möglichkeiten offen. Allerdings müssen diese Möglichkeiten buchstäblich ergriffen, also in die Hand genommen werden. Ein bloßes kopfschüttelndes Wegducken wird hier zu wenig sein. Sich nicht nur als wohlverdient anspruchsvolle, sondern auch als verantwortungsbewusste Bürger zu erweisen – dazu bietet sich exakt jetzt die beste Gelegenheit. Verantwortung, wie schwer klingt das denn! Und doch ist es nur ein anderes Wort für das Geschenk, an Sinnvollem mitwirken zu können. Es ist präzise das Thema dieser Plattform, über diese Chancen zur Mitgestaltung ins Gespräch zu kommen.


Ins Gespräch kommen, das können wir auch gleich hier! Hinterlassen Sie einfach Ihren Kommentar direkt unterhalb dieses Beitrags. Ich freue mich über jede Reaktion!


Auch kommenden Sonntag, den 14. Juni, geht es an dieser Stelle konkret um jene Chancen, die in den lohnenden, nachhaltigen Hoffnungen stecken. Am darauffolgenden Dienstag, dem 16. Juni, wird im Salon Digital dann die angstbefreite Ethik unser Thema sein. Mit ihr sind wir bestens gerüstet gegen die falschen Freunde unerfüllbarer Versprechungen. Vielleicht bewirkt ja die Aufregung um die Thiel-Absage genau dieses Zusammenrücken von all jenen, die hier etwas zu verteidigen sehen. Rechnen Sie auch mit mir.


ETHIK OHNE ANGST - Handeln auf eigene Rechnung
16. Juni 2026, 19:00–21:00 UhrOnline-Konferenz (ZOOM)
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