Wegducken – nicht einmal die zweitbeste Lösung
Aktualisiert: 15. Aug.
Die Absage und ihre Bedeutung
Die intensiven Debatten um den Auftritt von Peter Thiel fanden unter kuriosen Vorzeichen statt. Noch bevor wir über die Inhalte streiten konnten, kam es zur Absage. Doch der Streit über die Sinnhaftigkeit dieser Einladung zeigt viel über die politische Verfasstheit unseres Landes.
Vor einer Woche habe ich die Ereignisse um die Festwochen-Absage mit „Siegfried“ Milo Rau und dem „Drachen“ Peter Thiel verglichen. Zu meiner Freude fand sich diese Metapher im Leitartikel der Furche wieder. Der Theologe Wolfgang Palaver stellte sich öffentlich die Frage, ob er als Siegfried gegen den Drachen geschickt werde. Offensichtlich schwebten viele ähnliche Gedanken in den Köpfen der Menschen.
Ich möchte hier nicht weiter ausholen. Ich werte die Ereignisse jedoch als Bestätigung für die Notwendigkeit, dass wir Bürger uns wieder aktiv mit der Gestaltung unseres Zusammenlebens beschäftigen. Die Conditio Humana des 21. Jahrhunderts verlangt von uns, dass wir uns einbringen.
Die Herausforderung der globalen Machtkonzentration
Gegen die emporgekommene globale Machtkonzentration wird ein simples Wegducken nicht ausreichen. Wir neigen dazu, auf Provokationen aus dem Silicon Valley defensiv zu reagieren. Wir empören uns über bizarre Tweets und ziehen uns dann zurück. Peter Sloterdijk nennt das die „bequeme Ohnmacht“. Doch dieses ständige Reagieren ist mehr als ein ärgerliches Versäumnis. Es ist ein fataler Fehler. Wir müssen diese Spirale durchbrechen. Demokratisch ist es zwingend notwendig. Wir dürfen das Spielfeld nicht denen überlassen, die den Untergang der liberalen Weltordnung herbeisehnen.
Zugang zu Wissen und Verantwortung
Uns steht ein beträchtliches Instrumentarium zur Verfügung. Der Zugang zu Wissen ist so frei geworden, dass er oft überfordernd wirkt. Die Religionsfreiheit ermöglicht es uns, unser Interesse am Sinn und Ursprung unserer Existenz angstfrei zu verfolgen. Doch so viel Auswahl kann anstrengend sein. Es gibt nicht nur High-Tech-Gurus, die uns die Qual der Wahl abnehmen wollen. Auch viele andere autokratische Angebote versuchen, uns vereinfachte Lösungen schmackhaft zu machen. In meinem Buch „FÜNF NACH ZWÖLF – Zeit für größere Hoffnungen“ habe ich diese „zu kleinen Hoffnungen“ kritisiert.
Das erforderliche Wissen und die schmerzlichen Erfahrungen der Geschichte sind vorhanden. Alternativen zu einem Paradies für wenige Genies stehen uns offen. Diese Möglichkeiten müssen ergriffen werden. Ein bloßes Wegducken reicht nicht. Wir müssen uns als verantwortungsbewusste Bürger erweisen. Verantwortung klingt schwer. Doch es ist ein Geschenk, an Sinnvollem mitwirken zu können. Genau darum geht es auf dieser Plattform: über Chancen zur Mitgestaltung ins Gespräch zu kommen.
Ins Gespräch kommen
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Ausblick auf kommende Themen
Am kommenden Sonntag, den 14. Juni, geht es um die Chancen, die in nachhaltigen Hoffnungen stecken. Am darauffolgenden Dienstag, dem 16. Juni, wird im Salon Digital die angstbefreite Ethik unser Thema sein. Mit ihr sind wir bestens gerüstet gegen falsche Freunde unerfüllbarer Versprechungen. Vielleicht bewirkt die Aufregung um die Thiel-Absage genau dieses Zusammenrücken von all jenen, die hier etwas zu verteidigen sehen. Rechnen Sie auch mit mir.



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